Posted by Martin Booker © 2008
Georg Simmel wäre in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass hat der Suhrkamp-Verlag zwei Bände mit gesammelten Aufsätzen des Soziologen aufgelegt. Eine sehr lesenswerte Rezension dazu habe ich soeben in der Frankfurter Allgemeinen gefunden. Jürgen Kaube schreibt nicht nur über Simmels Schwierigkeiten, zu gesellschaftlichen Banketts eingeladen zu werden, sondern vor allem über seine Rolle in der Soziologie und die enormen Schätze – teilweise noch unentdeckt – die er der Disziplin hinterlassen hat. Zitat:
“Hat schon einmal jemand etwas aus seiner sinnessoziologischen Beobachtung gemacht, dass es für Menschen viel leichter ist, gleichzeitig dasselbe zu hören als dasselbe zu sehen – “man vergleiche ein Museumspublikum mit einem Konzertpublikum” -, dass aber alle Menschen gleichzeitig den Himmel sehen können? Eine ganze Religionssoziologie steckt in diesem Satz. [...] Oder nehmen wir eine Beobachtung aus der “Soziologie der Geselligkeit” wie die, dass die Damen unbefangen tief dekolletiert nur in großer Gesellschaft erscheinen können, aber nicht im persönlichen Zusammensein. Freiheit und Individualität sind nicht dasselbe, es gibt auch Freiheiten, die nur ergreift und genießt, wer sich damit nicht als Individuum engagiert fühlen muss.”
Daher auch der treffende Name des Artikels: Je größer die Party, desto tiefer das Dekolleté.


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