Posted by Martin Booker
Dass wir irgendwie um zwei, drei Ecken alle möglichen Leute kennen, dass die Summe der Freunde unserer Freunde vielleicht schon eine Kleinstadt ausmachen könnte, damit rechnen wir fast schon instinktiv. Viele Social-Networking-Seiten spielen mit dieser Funktion. Wie aber sieht dies in Wirklichkeit aus?
Microsoft hat nun versucht, der Sache auf den Grund zu gehen und eine Studie über die Konnektivität von Internetnutzern erstellt. 30 Milliarden Sofortnachrichten, die im Zeitraum Juni 2006 über Microsoft Messenger liefen, wurden dabei untersucht – dies entspricht der Hälfte des weltweiten Chat-Verkehrs. Zwei beliebige Personen wurden dann als “einander bekannt” eingestuft, wenn sie sich eine Sofortnachricht zusandten. Registriert wurde dann, über wie viele solche “Bekanntschaften” eine Nachricht laufen müsste, um alle Nutzer zu erreichen.
Das Ergebnis ist erstaunlich: Um durchschnittlich 6,6 Ecken, so suggeriert die Studie, kennt jeder Mensch auf der Welt jeden Anderen. Eric Horvitz, einer der Leiter der Studie, zeigte sich laut Washington Post schockiert angesichts des Ergebnisses: “Diesen Verdacht, dass wir alle wirklich eng zusammenhängen, gibt es schon lange. Aber wir zeigen auf einer sehr großen Datenbasis, dass diese Idee mehr ist als nur Folklore.”
Die “Kleine-Welt-These” (“six degrees of separation”) wurde ursprünglich von dem US-Soziologen Stanley Milgram aufgestellt. In Experimenten hatte er Probanden gebeten, über mehrere Stationen Briefe an Menschen in jeweils anderen Wohnorten zu schicken, die sie nur mit Namen kannten. Durchschnittlich liefen diese Briefe nach Angaben Milgrams über sechs Stationen. Allerdings entlarvte 2006 die Psychologin Judith Kleinfeld diese These, nachdem sie herausgefunden hatte, dass 95 Prozent der Briefe nie angekommen waren. Die neue Studie jedoch scheint Milgram nun doch wieder recht zu geben.
Heute bei der BBC gelesen, in den kommenden Tagen sicher auch in einigen deutschen Medien.


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