Wahlprognose Bayern – Warum es doch anders kommt und Alles beim Alten bleibt

von Martin Booker

Der Wahlkampf ist vorbei, morgen wird in Bayern gewählt. Damit es morgen abend nicht heisst “Im Nachhinein kann das jeder sagen”, hier meine kleine Prognose zum Wahlausgang:

Vorweg die nackten Zahlen:

CSU 51% (ZDF-Politbarometer 47%) SPD 20% (20) Grüne 9,5% (8) FDP 5,5% (9) FWG 6% (8) DIE LINKE 4,9% (4), Sonstige 3,1% (4)

Wahlbeteilligung niedrig, vielleicht 59% – bei einer derart niedrigen Wahlbeteilgung müsste man die Ergebnisse fast halbieren, d.h. dass nur noch ca. 30 Prozent der Wahlbevölkerung die CSU wählten, und nur noch jeder achte (!) bayerische Wähler die SPD. Das vorhergesagte gute Wetter morgen wird wohl viele Wankelmütige von den Wahllokalen fernhalten.

Ich vermute eine deutlich stärkere Tendenz zur CSU als in den Umfragen, die sie bei 47 oder 48 Prozent sehen. Wir wissen nicht, wer morgen tatsächlich zur Wahl gehen wird. Zwar wird in den Befragungen durchaus versucht, diesen Faktor zu erfassen, wer aber dann den Wahlurnen tatsächlich fernbleibt, ist eine andere Geschichte.

Wer also wird morgen zu Hause bleiben oder lieber spazieren gehen? Wie die Umfragen auch ergeben haben, herrscht eine große Unzufriedenheit bezüglich des Führungsduos der CSU, Beckstein und Huber. 58%, so erhob das ZDF, sind gegen eine weitere Alleinherrschaft der CSU mit absoluter Mehrheit - aber genau diese Unzufriedenen werden wohl morgen in größeren Zahlen zuhause bleiben. Dagegen stehen 36%, die eine Fortsetzung der absoluten Mehrheit wollen, und sie werden durch eine hohe Wahlbeteiligung auch dafür sorgen.

Welche Parteien werden darunter leiden? Sowohl CSU als auch SPD scheinen dieses mal Schwierigkeiten zu haben, ihr Wählerpotential zu mobilisieren. Doch während die Gründe bei der CSU offenkundig sind (Stoiber-Zerwürfnis, Transrapid, Landesbank, durchwachsener Wahlkampf), ist dies bei der SPD ein komplexeres Problem. Warum kann sie nicht von der Schwäche der CSU profitieren?

Der Wahlkampf war nach meiner Beobachtung gut organisiert und durchgeführt. Insbesondere wurde versucht, das populäre Thema Bildung zu besetzen. Entsprechend wird der SPD vergleichsweise viel in diesem Bereich zugetraut, der laut Umfragen von den Bürgern als der wichtigste angesehen wird. Hinzu kamen einige prominente Auftritte: Während Münteferings Rückkehr in die Politik publikumswirksam in München zelebriert wurde, erholte sich die Bundes-SPD mit der Ernennung Steinmeiers zum Kanzlerkandidaten, der dann auch munter im bayerischen Wahlkampf mitmischte.

In der Bierzelt-Tournee profilierte sich Maget im Gegensatz zu Beckstein als eindrucksvoller Redner. Schließlich verhalf das Bayerische Fernsehen dem Spitzenkandidat im sog. Fernsehduell zu einer Prominenz, die ihm zuvor verwehrt geblieben war. Es ist daher schwer zu verstehen, dass die Partei nun sogar um die 20 Prozent kämpfen muss.

Eine wichtige Rolle dabei spielen wohl die Medien. Denn die SPD wurde meist als unscharf und konturenlos dargestellt – eher als Reaktion auf Umfragen denn als Spiegelung des tatsächlichen Wahlkampfes und der tatsächlichen Inhalte und Inhaltsvermittlung. Doch das Label konnte sie nicht abstreifen und im Zuge einer self-fulfilling prophecy wird die angeblich schwache SPD am Ende tatsächlich schwach dastehen.

Die Umfragewerte zeigen allerdings auch eine Kluft zwischen CSU- und SPD-Wählern. Offensichtlich will kaum einer der unzufriedenen CSU-Wähler zur SPD wechseln, wählt lieber FDP oder Freie Wähler, oder bleibt gleich zu hause. Dies ist in meinen Augen ein Hinweis darauf, welche Sektionen der CSU-Wähler besonders unzufrieden sind, nämlich der sog. rechte Flügel, der von den “Sozn” besonders weit entfernt ist. Ein Flügel, der die autoritäre Hand eines unbestrittenen Parteiführers und Ersatzmonarchen vermisst?

Von der FDP erwarte ich ein deutlich schlechteres Ergebnis (6%) als in den Umfragen (ZDF 9%). Die FDP ist aktuell nicht im Landtag vertreten und hat in den vergangenen Wahlen auf keine bedeutende Basis in Bayern bauen können. Wer also in der Befragung angegeben hat, er wolle FDP wählen, war vermutlich ein verkappter CSU-Wähler. Im letzten Moment könnte er mit dem Traditionsbruch überfordert sein und sein Kreuzchen doch wieder bei der CSU machen, oder er bleibt gleich zu hause. Ähnliches gilt für die Freien Wähler.

Die Grünen hingegen dürften mal wieder zur drittstärksten Kraft werden, und ich vermute, dass sie an der 10 Prozent-Marke kratzen, sie vielleicht sogar überbieten werden. Die Grünen haben sich erfolgreich ein volkstümeliges bayerisches Image verschafft, ihr Vorsitzender Sepp Daxenberger ist bekannt und beliebt. Ich glaube daher nicht, das sie hinter die FDP oder FWG zurückfallen werden.

Soweit meine kleine Prognose und meine Gedanken zur morgigen Wahl. Ehrlich gesagt hoffe ich, dass dies nicht so eintritt. Ich selbst werde morgen nicht wählen gehen, denn als EU-Ausländer darf ich leider nur in lokalen Angelegenheiten mitmischen. :-(

3 Antworten zu „Wahlprognose Bayern – Warum es doch anders kommt und Alles beim Alten bleibt“


  1. 1 mayarosa 29. September 2008 um 09:06

    Ein Glück für Bayern und ein Glück für Deutschland, dass deine Prognose so nicht eingetreten ist. Ich bin in Bayern aufgewachsen und lebe heute in NRW und freue mich riesig, dass in Bayern endlich Demokratie eingekehrt und die bierseeligen großkopferten Monarchen im Wesentlichen männlichen Geschlechts lernen müssen, dass Menschen mit anderer Ansicht auch ernst genommen werden müssen. Ein Dank an alle Wählerinnen und Wähler, die das erreicht haben!
    http://mayarosasweblog.wordpress.com/2008/09/29/landtagswahl-bayern-wird-normal/


  1. 1 Bayernwahlbeider mac Trackback zu 27. September 2008 um 21:09
  2. 2 Bayern-Wahl: Erste Ergebnisse und Analysen « homo sociologicus Trackback zu 28. September 2008 um 18:19

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