Sind Sexpuppen die besseren Frauen? – Eine Soziologie der synthetischen Liebe

von Stefan Spiess, Regensburg

Quelle: Wikipedia.org (2008) creative commons

Sexpuppen sind ein schönes Schmuddelthema, und anscheinend eines, das dringend eine soziologische Überarbeitung benötigt. Nach einem ausführlichen und sehr interessanten Artikel zum Thema existieren Onlinegemeinschaften mit geschätzen 12.000 Mitgliedern, eine stattliche Zahl. Ein anderer wissenschaftlicher Aufsatz gibt Anregungen für die Entwicklung und notwendige ethische Prinzipien einer Roboter-Prostitution, als Ersatz für menschliche SexarbeiterInnen. (Eine Doku englischer Sprache ist am Ende des Artikels eingebettet.)

Interessant wäre nun, ob sich für die Gruppe der (vornehmlich männlichen) Benutzer/Besitzer/Partner der Frauen aus Gummi spezielle Profile herauskristallisieren. Man könnte ja annehmen, dass es sich dabei um “UnderDogs” handelt, die sich auf andere Weise entweder keinen Zugang zur Ressource Sex verschaffen können. Oder möglicherweise ist es ein Typ Mann, der schlicht nicht mit Frauen umgehen kann? Indikatoren dafür finden sich in dem oben bereits angesprochenen Artikel, wo die Autorin über einen der “iDollators” schreibt:

He also chronicles the wrongs done to him by real women, like the girl who dumped him at the door of the prom, the woman who asked him to baby-sit her son while she went on a date, and the one who “used” him to move furniture.

Enttäuschung scheint ein Grund zu sein, echte Frauen zu verschmähen. Ein anderer Grund scheint zu sein, in Gegenwart von Frauen ein Gefühl der völligen Ohnmacht zu empfinden, viele Männer scheinen ihren Kunstfrauen Persönlichkeiten zuzuschreiben, die sie an echten Frauen mögen.

Aus welchen gesellschaftlichen Strukturen heraus entsteht diese synthetische Liebe, und: welche gesellschaftlichen Strukturen entstehen aus dieser synthethischen Liebe? Was für eine gesellschaftliche Funktion können solche Silikonfrauen haben? Und, wenn wir hier schon gendern, dann gleich richtig: Wie viele Frauen nutzen Sexpuppen? Wenn man mal den SafeSearch bei Google rausnimmt, und nach schweinischen Bilden von Menschen mit Sexpuppen sucht (habe ich mir sagen lassen, so was würde ich ja nie tun… ;) ) dann gewinnt man schnell den Eindruck, dass auch die männlichen Puppen eher Männer ansprechen. Woran liegt das?

Ein weiterer Artikel legt sogar nahe, dass Sexpuppen in der Zukunft eine Art Ventil für “unterprivilegierte Männer” sein könnten, stellt aber auch fest, dass mit steigender Kenntnis in der Biotechnologie und Neurologie möglicherweise der “Orgasmus auf Knopfdruck” und direkt im Gehirn simulierter Cybersex eine billigere Variante wären. (Telepolis – Sex für unterprivilegierte Übermenschen)

Interessant wird das Thema auch dann, wenn man sich vor Augen hält, was für rechtliche Grenzen gesellschaftlich neu verhandelt werden müssen: Ist es beispielsweise strafbar, Sex mit einer einem minderjährigen nachempfundenen Puppe zu haben oder Pornographie zu konsumieren, die mit Hilfe von solchen Puppen kinderpornographische Inhalte simuliert? Kann man dann eigentlich noch von Simulation sprechen? Ein weiterer Blogeintrag referiert über bereits heute existente Gummipuppen-Bordelle in Japan (Trends der Zukunft). Möglicherweise bekommen wir also schon in naher Zukunft einen interessant zu analysierenden gesellschaftlichen Diskurs seviert. Bon Appetit! :)

Weitere Blogeinträge zum Thema:

Update – Assoziiertes und Assoziationen

Eine Kritik der Kritik der Sexpuppenindustrie und -käufer im Mädchenblog habe ich soeben bei Scheckkartenpunk gefunden (Die Liebe zum Feminismus ist nichts, was gerecht wäre). Darüber hinaus weitere Beiträg zum Thema in Blogs:

Eine relativ lange Doku zum Thema in englischer Sprache gleich mal eingebettet (Gefunden auf Dokumentarfilm24.de):

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