Parentopoli – Mafiöse Wissenschaft?

von Stefan Spiess, Regensburg

Neben Pizza und Pasta ist die Mafia sicherlich einer von Italiens größten Exportschlagern – allerdings wohl auch eine seiner größten Geißeln. Eine der Grundsäulen ihrer Funktionsweise ist der Klientelismus. Das Prinzip scheint auch an Italiens Universitäten lange Zeit gang und gäbe gewesen zu sein. (Neue Links verfügbar!)

Aufmerksam wurde ich auf das Thema schon während unseres Gespräches mit dem Psychologie-Professor Girolamo LoVerso während unseres Aufenthaltes auf Sizilien im Februar 2008. Er erwähnte, dass in einigen Fakultäten die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Familie sicherlich deutlich wichtiger sei, als die eigene akademische Leistung. Dass diese Funktionsweise allerdings im wissenschaftlichen Bereich derartige Triebe schlagen würde, das vermutete man nach seinen Ausführungen eher nicht. Mit dem Bericht von Franz Trum zum Gespräch gesagt:

Auf unsere nächste Frage, ob er wegen seiner Arbeit seitens der Mafia schon einmal bedroht wurde, antwortete er mit „nein” und begründete dies damit, dass der Mafia die wissenschaftliche Arbeit egal sei.

Anders ausgedrückt: Die Wissenschaftskultur ist nicht so sehr Ziel solcher Organisationen, weil man da nichts für die Mafia interessantes holen kann, die stille Unterstellung ist wohl, da ist nicht genug Geld, da ist nicht genug Einfluss.

Nun erstaunt es sehr, was man einem Artikel auf der Seite des Deutschlandfunks entnehmen kann (Lustigerweise nimmt da auch gleich noch ein Soziologiestudent Stellung.)

Es herrschen fast mafiöse Strukturen an Italiens Universitäten: Einige Familienclans geben in ganzen Fakultäten den Ton an, besetzen Stellen mit Angehörigen. Bisher geschah die Förderung von Karrieren nach Familienzugehörigkeit oder Freundschaft nahezu ungestört. Doch mittlerweile wurde das Schweigen gebrochen – und die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Sehr zu meiner Schande muss ich nun gestehen, dass ich meinen Italienischkurs aus Zeitgründen abbrechen musste, und absolut nichts davon verstehe, was da reichlich gebloggt wird. Einer der zündenden Artikel scheint jedoch von der Repubblica herausgegeben worden zu sein.

Auch wenn das nun nicht direkt die Mafia ist, zumindest noch nicht ersichtlich, es zeigt, dass die Mechanismen, die echte demokratische Entwicklung und das Entstehen einer freiheitlichen und engagierten zivilbürgerlichen Kultur behindern, tief in die italienische Gesellschaft reichen. Schade. Für mehr zum Thema finden sich einige interessante Artikel dazu auf der oben verlinkten Exkursionsseite, mein eigener über die Antiracket-Bewegung in Catania ist dort leider noch nicht verfügbar, allerdings gibt es da noch andere Berichte, die Hoffnung machen für den Süden Europas.

Und noch eine Feststellung: Wissen ist Macht. Das sieht man meiner Meinung nach hier so klar wie selten. Es stellt sich in dem Zusammenhang also die Frage: Wurden die Posten nur danach vergeben, wer mit wem verwandt ist, oder bekommt man möglicherweise besser einen Posten im Bereich der Rechtswissenschaften, wenn man auch die entsprechenden Ideen zum Thema Korruption und Mafia vertritt? Möglich wäre es, mal sehen, wann die Begebenheiten auch in einer mir verständlichen Sprache vorliegen. :)

Buona notte, Stefan

Nachtag:

Einige interessante Ressourcen habe ich dann doch noch gefunden zum Thema:

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