Warum geben so wenige Frauen den Ton an? Weibliche Stimmen in Blogs und Politik

Anlässlich des Weltfrauentages haben wir eine kleine Premiere zu verkünden: Endlich erscheint der erste Artikel von einer Frau auf homosociologicus.de. Katharina Kaiser sinniert über Geschlechterunterschiede darin, wie man sich selbst präsentiert, was man von Frauen erwartet, und wie sich das bis in die politische Elite durchzieht. (Der Artikel wurde von der Autorin am 20.03.2009 aktualisiert.)

Beim Durchklicken sämtlicher Kommentare auf homosociologicus bin ich ausschließlich auf männliche Benutzernamen gestoßen, oder solche, die kein Geschlecht verrieten. Natürlich kann man nicht nachvollziehen, welcher Anteil an Lesern des Blogs weiblich ist, oder ob sich hinter den geschlechtsneutralen Benutzernamen möglicherweise heimlich Frauen verbergen. Dennoch hatte ich beim Verfassen dieses Kommentars die leise Vermutung, die erste Frau zu sein, die auf diesem Blog Spuren hinterlassen würde. Und tatsächlich stellt sich heraus, dass nur etwa 5 von bisher 148 Kommentaren von Frauen verfasst worden sind.

Nach eigenen Angaben der Universität Regensburg (nehmen wir diese Universität als Beispiel, da Homosociologicus hier seinen Ursprung hatte) studierten dort im Sommersemester 2008 67 Männer und 90 Frauen Soziologie. Im vergangenen Wintersemester waren es immer noch 56 Männer und 72 Frauen. Vor 10 Jahren waren es 109 Männer und 206 Frauen! Interessant. Warum sind Männer trotzdem, und zwar nicht nur unter den Gründern, bisher zu 100 % in diesem Blog vertreten? Dazu später mehr.

Ich fand es geradezu bahnbrechend, dass in der Präsidentschaftswahl 2008 beide Kandidaten der demokratischen Partei Nordamerikas einer vermeintlichen „Minderheitengruppe” angehörten. Vor den Wahlen befand ich mich 6 Wochen lang in den Staaten. Die Wahlen waren erfreulicherweise in aller Munde. Wer Frauen auf der Akzeptanzskala höher ansiedelt als Afroamerikaner, der hätte sich allerdings bei so manchem Gespräch, das ich belauscht habe, gewundert.

Es gibt viele Parallelen zwischen den Bürgerrechtsbewegungen von Frauen und Afro-Amerikanern, in denen sie um gesellschaftliche Anerkennung, politische Mitwirkung und gleiche Rechte kämpfen. Ein sehr interessanter Artikel zum Thema Wahlen, Afroamerikaner und Frauen ist hier zu finden.

Trotzdem ist der Gedanke, eine Frau als Staatsoberhaupt anzuerkennen, für die meisten Amerikaner scheinbar geradezu lächerlich. Zugegebenermaßen mag diese Ansicht vor allem in ländlichen Gegenden verbreitet sein (ich befand mich während meiner Reise in Idaho). Man beachte allerdings, dass Nordamerika zu einem beachtlichen Teil durch eine sehr geringe Bevölkerungsdichte gekennzeichnet ist. (Siehe hier.) Es ist außerdem schwierig herauszufiltern, ob es sich dabei um eine persönliche Abneigung gegen die Kandidatin handelte, oder ‚the President’ nun mal per Definition ein Mann ist. Trotz der Statistiken, deren zufolge beide Kandidaten zeitweise ein Kopf-an-Kopf-Rennen führten, gewann ich immer mehr den Eindruck, dass Ms. Clintons Kandidatur ungefähr so aufgenommen wurde, wie vor ein paar Jahren Guido Westerwelles Idee, sich bei den Bundestagswahlen 2002 als Kanzlerkandidat zu präsentieren; eine Art Überraschung mit anschließendem „Moment mal, der meint das ernst”, bis hin zu der Erkenntnis, dass es wohl noch ein wenig dauern würde, bis die doch etwas konservative Wählerschaft einen Paradiesvogel ins Amt wählen und die Bundesregierung in Regenbogenfarben erstrahlen würde. Der Unterschied scheint nur darin zu liegen, dass man Westerwelle damals als Jux ein Paar Stimmen gegönnt hat, weil’s immerhin lustig war. Clinton wurde dann doch eher aus einer Mischung von Mitleid und Pflichtgefühl gewählt (auch von den Frauen…!). So hatte sie ja immerhin theoretisch eine Chance.

Warum jedoch hat Deutschland eine Bundeskanzlerin? Im Kern unterscheiden sich die USA und Deutschland in ihrem Wahlverhalten nicht wesentlich voneinander: Der Kandidat muss charismatisch sein, man muss das Gefühl haben ihm vertrauen zu können und es ist immer gut, wenn die Rhetorik stimmt (obwohl da schon so manchem Politiker verziehen wurde). Was die Wählerschaft immer ein bisschen misstrauisch macht, ist den Kandidaten nicht ganz einschätzen zu können. Hängen die Zweifel möglicherweise mit den Erwartungen zusammen, die der Wähler nicht etwa an den Politiker (oder die Politikerin) stellt, sondern an die Person, die hinter den Kulissen steckt? Interessiert sich die Öffentlichkeit deshalb so für deren ‚Skandale’ und Privatleben? Warum zum Beispiel wählt meine Mutter gerne den Politiker, der die überzeugendere Ehefrau hat?

Die Politiker scheinen dieses Phänomen auch schon begriffen zu haben und passen ihre Wahlkampagnen entsprechend an. Jeder Kandidat weiß, wie wichtig es ist, sich regelmäßig mit seinem Ehepartner in der Öffentlichkeit zu zeigen. Wenn daheim alles stimmt, dann passt’s bestimmt auch in der Regierung. Was den Wählern wichtig ist, ist dass das Verhalten der Kandidaten den gesellschaftlichen Normen entspricht, und eine entscheidende Rolle spielen dabei unter Anderem auch deren Geschlechtsrollen.

In der Politik sowie in anderen öffentlichen Bereichen ist es durchaus normal, dass eine Frau sich „als Mann verkleidet”, und zwar nicht nur im wörtlichen Sinne. Margaret Thatcher – Großbritanniens „iron lady” – scheint mir da ein Musterbeispiel zu sein. Warum ist Hillary Clinton mit dieser Strategie gescheitert? Haben sich die Zeiten womöglich geändert? Nach Ralf Dahrendorfs Theorie, ja. Der deutsch-britische Soziologe, Politiker und Publizist macht in seinem Blog (Siehe hier.) die Beobachtung, dass in der Politik immer mehr „feminine Werte” einkehren Dies trete allerdings interessanter Weise eher in Form von neuen „weichen” Zügen der männlichen Politiker auf, als in der Gruppe der Politikerinnen. Jetzt wird es wirklich kompliziert. Haben sich die Amerikaner ihren Traumpresidenten geschaffen, der traditionell ein Mann ist, aber gleichzeitig eine zarte weibliche Seite besitzt? Die feminine Note wird demnach neuerdings also keinesfalls abgelehnt in der Politik. Warum wird die Variante des femininen Politikers jedoch immer noch einer Frau mit männlichen Attributen vorgezogen?

Es verwundert nicht, dass Hillary Clinton manchmal selbst de Anschein machte, als sei sie sich nicht so sicher, welche Seite an ihr sie den Wählern strategisch nun am ehesten präsentieren sollte. Eine Prise zuviel Testosteron da, ein Löffelchen zuwenig Östrogen hier, und schon ist die Suppe ungenießbar.

Angie dagegen hat genau zum richtigen Zeitpunkt ihren Kleidungsstil gewechselt und ist zur Typberatung gegangen. Was ein bisschen Wimperntusche ausmacht… Vielleicht war es einfach gutes Timing. Oder aber Deutschland hat eine etwas andere Vorstellung von seinem Bundeskanzler. Vielleicht hatte ihr Erfolg aber auch damit zu tun, dass sie relativ gut die Waage zwischen ihrem X- und ihrem antrainiertem Y-Chromosom gehalten hat. Denn: Die Verpackung muss stimmen. PolitikerInnen können jede Rolle spielen, wie es ihnen beliebt, solange sie sich nur für eine Rolle entscheiden. Was nicht geduldet wird, ist Unentschlossenheit.

Diese Strategie der „Zwitterpolitik” müsste man vielleicht trotzdem noch einmal überdenken. Immerhin ziehen Frauen trotz ihrer Präsenz im öffentlichen Leben meist noch den Kürzeren. Maskuliner PolitikER geht, femininer PolitikER (z.B. Obama) auch. Das Gegenstück zu Obama wäre dann die maskuline PolitikerIn (etwa wie Angie). Überhaupt noch nicht vertreten ist allerdings die Kombination feminine PolitikerIN, die sich des Klischeetypus Frau bedient.

Die Frage wäre also: Warum geben sich die Frauen damit zufrieden, dass sie in der Politik mitreden dürfen, so lange sie sich den Spielregeln dieser Männerdomäne im Verhalten ausreichend anpassen? Martin Booker hat in seinem Artikel Warum verdienen Frauen wenigereine Idee aufgeworfen, die ich schon lange vertrete (aber noch nie geäußert habe): „Hier fehlt offensichtlich eine Kultur der Kritik, des Hinterfragens und der Einforderung einer aufgeklärten Gesellschaft – also typische Elemente einer soziologischen Intelligenz.” Ich würde jetzt gerne fortschreiten und darüber schreiben, wie Frauen zu dieser Aussage stehen. Leider finde ich zu wenige Quellen um eine zufrieden stellende Aussage darüber treffen zu können, was Frauen kritisieren, hinterfragen und einfordern.

Heute ist Weltfrauentag. Als ich morgens mit meinem Freund telefonierte wurde ich (wie schon mehrfach) dazu angeregt, ich könne doch mal einen Gastartikel für Homosociologicus schreiben. Meine Antwort: „Ach ja, hmm, ich weiß nicht, ich kann doch gar nicht schreiben, also eigentlich hab ich schon mal angefangen, aber jetzt ist das Thema ja auch nicht mehr aktuell, und am Ende liest das dann irgendwer, und überhaupt, ich studiere ja auch nicht Soziologie …”. Ich habe also den heutigen Tag als Anlass und Ausrede genommen, als Nicht-SoziologIN tatsächlich einen kleinen Kommentar (um es nicht Artikel nennen zu müssen, so was tun Frauen nämlich nicht) zu schreiben und den jetzt auch sofort zur Weiterverarbeitung abzuschicken bevor ich es mir wieder anders überlege.

Aber Spaß beiseite. Es gibt durchaus Frauen, die etwas zu sagen haben. Es gibt noch viel mehr Frauen, die etwas zu sagen hätten. Es hat sie schon immer gegeben und es wird sie immer geben. Es ist allerdings bedauernswert, wie wenig man davon zu hören bekommt. Was deren Berechtigung angeht etwas zu sagen, stufen sich die meisten Frauen anscheinend immer noch weit unter ihrem Niveau ein. Martin Booker schreibt, „ob Bildungserfolg durch soziale Herkunft bestimmt wird oder Frauen bei gleicher Arbeit deutlich weniger verdienen, ist nicht wichtig, solange man nicht selbst davon betroffen ist.” Wenn Frauen nun aber betroffen sind, warum fehlt dann immer noch die Aktionsbereitschaft? Oder geht es ihnen vielleicht gar nicht so schlecht? Nun, was die Bildung angeht, so hat Deutschland immerhin eine Grundlage geschaffen, in dem es Frauen den Zugang zu Wissen gewährt hat, durch die ihre Meinung der eines Mannes in keiner Weise unterlegen zu sein braucht. Was man daraus macht, ist eine andere Frage.

Um Martin noch einmal zu zitieren, „zunächst versagen die Akteure”. Ich kann natürlich nur für mich sprechen (die vorsichtige Aussage einer Frau), aber ich lese Bücher, ich interessiere mich für viele Dinge und ich agiere auch. Allerdings tue ich es lieber heimlich, denn sonst könnte jemand bemerken was ich alles nicht gelesen habe, für was ich mich nicht interessiere, und was ich nicht tue. Da gäbe es eine Menge, und morgen schäme ich mich vermutlich in Grund und Boden für meinen Kommentar. Letztendlich ist es aber keine Frage des Geschlechts, ob man dafür qualifiziert ist, in einer „Kultur der Kritik” zu leben und Kommentare zu schreiben. Und wer weiß, vielleicht, wenn ich mal groß bin, schreibe ich sogar mal einen echten Artikel für homosociologicus.

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8 Responses to “Warum geben so wenige Frauen den Ton an? Weibliche Stimmen in Blogs und Politik”


  1. 1 Martin 9. March 2009 at 12:46

    Kathi – prima Artikel! Du schilderst ein altbekanntes Problem, das nicht nur, aber wahrscheinlich häufiger bei Frauen vorkommt. Das eigene Geschriebene an Dritte und deren Urteil weiterzugeben erfordert einen gewissen Mut. Oder aber es erfordert eine Egal-Haltung: egal, was die Anderen darüber denken, ich mache es ja weil ich es gerne und für mich mache. Ich vermute, das ist eines dieser Probleme, das die Meisten haben, aber über das kaum einer sprechen will (vor allem Männer nicht). Daher vielen Dank für dieses coming out.

    Im Übrigen bin ich nicht der Meinung, dass das Wahlverhalten von Deutschen und US-Amerikanern so ähnlich ist. Vielmehr vertrete ich die These, dass in D Charisma eher abträglich ist für die politische Karriere. Schließlich fördert der Parteienapparat vor allem solche politischen Führer hervor, die gut Netzwerke bilden können. Charismatiker werden meines Erachtens früh aussortiert, da sie bereits auf niedriger Ebene von der jeweiligen Konkurrenz als Gefahr empfunden werden, und sich entsprechende Gegenbündnisse bilden. Wie sonst kann man absolute Uncharismaten wie H.Kohl oder Peter Struck erklären? Ausnahmen sind wahrscheinlich kleinere Parteien, die ums Überleben kämpfen und den Wert eines Charismatikers zu schätzen wissen.

  2. 2 Katharina 9. March 2009 at 16:51

    Hallo Martin,
    danke für deinen Kommentar. Zu deiner These, charismatische Politiker seien in Deutschland nicht so beliebt oder sind schnell wieder weg vom Fenster:
    Für US-Amerikaner mag das Charisma ihrer Kandidaten vielleicht eine größere Rolle spielen als in Deutschland. Das hat aber zum einen traditionelle Gründe und lässt sich außerdem auf das politische Gewicht zurückführen, dass der US-Präsident hat (lassen wir mal außer Acht wer im Weißen Haus wirklich die Fäden zieht). Letztendlich haben die US-Bürger von ihrem Präsidenten immer erwartet, dass er in gewisser Maßen den Amerikanischen Traum wiederspiegelt, sei es dadurch, dass ein Schauspieler sich ins Amt des US-Präsidenten hocharbeiten kann, oder dadurch, dass Obama daran erinnert, wie hart die Urväter Nordamerikas für das beste aller Länder gearbeitet haben. Da D diese Art von Nationalismus/Patriatismus nicht besitzt, ist hier auch die Rolle, die der Bundeskanzler spielt, eine ganz andere. Während der US-Präsident für viele die Verkörperung der nordamerikanischen Ideale darstellt, ist der Bundeskanzler eben einfach nur ein Politiker. Er muss kein Idol sein, und er repräsentiert zwar nach außen hin das Land, man muss sich aber deswegen nicht mit ihm identifizieren können. Man mag jetzt anzweifeln, in wie weit zum Beispiel Bush jene Qualitäten besaß. Wenn man sich aber anschaut, mit welchen Argumenten er seine politischen Entscheidungen gerechtfertigt hat, wird man vielleicht verstehen können, dass ausreichend viele US-Amerikaner die Grundidee Nordamerikas heraushören konnten um ihn ein zweites Mal ins Amt zu wählen.
    Es scheint mir außerdem logisch, dass sich die Bürger eines Staates, in dem der Präsident selbst, und nicht wie in D die Partei gewählt wird, einen näheren Bezug zu ihren Kandidaten haben.
    Was Helmut Kohl oder Peter Struck betrifft, so würde ich nicht unbedingt von Uncharismaten sprechen. Charismatisch ist nicht gleichzusetzen mit sympathisch oder beliebt, und hier gebe ich dir Recht, in den Vereinigten Staaten ist dies vielleicht anders. So wie ich das wahrnehme hat sich aber seit Kohls Amtszeit einiges verändert. Ich erkläre mir dessen lange Amtsdauer zum einen dadurch, dass er immerhin während der Wiedervereinigung Deutschlands im Amt war, was sich dauerhaft positiv auf seine Popularitätsrate ausgewirkt haben muss. Zum Anderen hat es damals auch noch keine TV-Duelle unter den Kandidaten gegeben, bei denen er möglicherweise nicht so gut davon gekommen wäre. In den letzten Jahren ist der Wahlkampf größtenteils zu Werbung geworden, ein Phänomen, das zu Kohls Zeiten noch nicht so stark eingesetzt hatte, weshalb Charisma damals noch kein so großes Entscheidungsmerkmal war. Ein Politiker, der sich darauf verlässt, dass er die breite Masse durch die Zeitung erreichen kann (hier würden anstelle von Charisma eher argumentative Stärken zählen), hat heutzutage wahrscheinlich wenig Chancen. Obwohl ich vollkommen darin mit dir übereinstimme, dass (wenn man ins Detail geht), das Wahlverhalten von US-Bürgern und Deutschen sich in vielerlei Hinsicht voneinander unterscheiden, stelle ich dennoch einen Trend zur Soap-Politik in Deutschland fest, der pragmatisch gesehen in eine ähnliche Richtung führt wie in den USA.

  3. 3 Stefan Spiess 9. March 2009 at 17:24

    Ziemlich interessant finde ich zum Stichwort “Zeitung” auch das nahezu berühmte Schröder-Diktum, dass er die Nation “mit Bild und Glotze” im Griff haben könnte. Aber das ist ja eigentlich gar nicht der interessante Punkt. Wenn ich das richtig verstanden habe (learning from female modesty), dann ist ja einer der Hauptpunkte, dass eine Frau wie Hilary Clinton nicht als Frau wahrgenommen wird. Vielleicht ein Schicksal, dass sich in der wenig liebevollen Bezeichung “Iron Lady” für Fraäulein Thatcher schon abgezeichnet hat. Die Frage ist doch dann eigentlich, zunächst mal unabhängig vom Land: können Wählerinnen und Wähler damit umgehen, wenn Menschen in der Politik nicht eindeutig einem Geschlechterklischee zuzuordnen sind?

    Etwas zugespitzt: Es ist erstaunlich, dass Amerikanerinnen und Amerikaner eher jemanden wählen, der einer ethnischen Minderheit angehört (was mich freut, aber dennoch ein klares Novum ist), aber das wenigstens eindeutig, als eine Frau, die nicht klar weiss, wo sie “als Frau hingehört” – in ein adrettes Kleid und in eine gutmütige, mütterliche Rolle. Ein Kriterium, das möglicherweise auch Frau Palin das Genick gebrochen hat. Die Hockey-Mom war vielleicht einfach zu “Hollaback-Holterdipolter Holzfäller” aus Kanada mäßig drauf, um als “niedliches Weibchen” dann noch die Kohlen aus dem Feuer zu holen.

    Carrie Bradshaw würde vielleicht fragen: Können Männer – und Frauen – damit umgehen, wenn ihre politischen Führer nicht so leicht einzuordnen sind wie Schuhe? ;)

  4. 4 Katharina 3. April 2009 at 23:32

    Der Artikel “G20 summit: How Britain was wooed by Michelle Obama”, am 3. April 2009 im Guardian erschienen (Link zum Artikel), macht einige interessante Beobachtungen über die unterschiedlichen Ausdrucksformen und Kommunikationsstrategien von Frauen und Männern in der politischen Öffentlichkeit:

    “Barack Obama and Gordon Brown have international interpreters and banks of microphones, policy pronouncements and footnoted treatises to help them deliver their messages loud and clear. Their wives, by contrast, have only clothes, body language, and the knowledge that their schedule of appointments, however painstakingly planned as non-political, will be minutely observed for clues written in diplomatic code.”

    “On their daytime appearances together, it was noticeable that while Sarah Brown appeared dressed as if for a day at the office, in her dark, solid colours and opaque tights, Michelle Obama’s feminine skirts and detailed cardigans gave her the air of a woman having coffee with friends. This was significant, because this tone of female comradeship came to be the defining feature of her visit…”

  5. 5 Carl Jung 30. December 2009 at 16:50

    Als Nicht-Soziologie und als Mann fällt mir bei diesem “Artikel” sofort das typisch Weibliche auf: Frauen schreiben über Frauen.

    Frauen schreiben nicht über allgemein interessante Themen. Frauen schreiben nicht über Männer, es sei denn über DEN MANN als Angstfaktor.

    Vielleicht schreiben Frauen über Kinder?

    Im Beruf möchte der Mann als Funktionsträger wahrgenommen werden. Er möchte professionell wirken. Kein Mann möchte im Beruf als Geschlechtswesen wahrgenommen werden. Kein Mann würde Vereinigungen gründen, mit dem Ziel, der Welt die besondere männliche Sicht nahezubringen.

    Frauen genügt das nicht. Sie wollen als Frauen wahrgenommen werden. Die “graue Maus”, d.h. die Frau, welche ihre Geschlechtlichkeit gegenüber der Funktion zurücknimmt, hat unter Frauen keinen hohen Status.

    Das ist der Fehler!

    Ein Mann macht seinen Job. – Fertig!

    Frauen machen zu viel Gedöns um wenig.

    Carl Jung

  6. 6 Martin 7. January 2010 at 17:01

    @ Carl Jung: Folgende Punkte entlarven Ihr Argument als haltlos:

    1.) “das typisch Weibliche: Frauen schreiben über Frauen.”

    Warum nicht? Warum schreiben Männer nicht über Frauen?”

    2.) “Frauen schreiben nicht über allgemein interessante Themen.”

    Pure Polemik, kann man nicht ernst nehmen.

    3.) “Frauen schreiben nicht über Männer, es sei denn über DEN MANN als Angstfaktor.”

    Jedes Kind weiss, dass dies nicht stimmt.

    4.) “Vielleicht schreiben Frauen über Kinder?”

    Männer und Frauen schreiben über Kinder.

    5.) “Im Beruf möchte der Mann als Funktionsträger wahrgenommen werden. Er möchte professionell wirken. Kein Mann möchte im Beruf als Geschlechtswesen wahrgenommen werden.

    Kein einziger Mann? Ausserdem: genau darum geht es vielen Frauen doch, dass sie nicht als Frauen, sondern als Funktionsträgerinnen wahrgenommen werden wollen. ihre Kritik ist also absurd.

    6.) “Kein Mann würde Vereinigungen gründen, mit dem Ziel, der Welt die besondere männliche Sicht nahezubringen.”

    Auch würde niemand in Deutschland auf die Idee kommen, eine Organisation zu gründen, welche die Einführung des Bundestages oder der Fußball-Bundesliga zum Ziel hat.

    7.) “Frauen genügt das nicht. Sie wollen als Frauen wahrgenommen werden. Die „graue Maus“, d.h. die Frau, welche ihre Geschlechtlichkeit gegenüber der Funktion zurücknimmt, hat unter Frauen keinen hohen Status.”

    Wieder mißverstehen Sie die Argumente der Feministinnen.

    8.) “Das ist der Fehler!”

    Der liegt bei Ihnen.

    9.) “Ein Mann macht seinen Job. – Fertig!”

    Wann waren Sie das letzte mal in der echten Welt?

    10.) “Frauen machen zu viel Gedöns um wenig.”

    Vor allem aber Ihr Kommentar.

  7. 7 Katharina 8. January 2010 at 17:42

    @ Carl Jung: Ich möchte auf Ihre Thesen etwas konkreter eingehen und greife bequemerweise Martins Gliederung nochmal auf.
    1.) „das typisch Weibliche: Frauen schreiben über Frauen.“
    Offensichtlich gibt es eine Notwendigkeit dafür. Dass der Anschein erweckt wird, Männer würden nicht über sich schreiben, liegt daran, dass es keinen Anlass dafür gibt, eine dezidiert “männliche Stimme” oder Perspektive zu forcieren. Die meisten Diskurse weisen nämlich ohnehin deutliche “männliche” Strukturen auf.
    2.) „Frauen schreiben nicht über allgemein interessante Themen.“
    Ich selbst habe auf diesem Blog schon über ein vollkommen genderfreies Thema geschrieben. Über allgemein interessante Themen oder überhaupt schreiben zu dürfen ist für Frauen nicht immer möglich gewesen, und ob heute eine “Gleichwertigkeit” zwischen der schriftstellerischen Arbeit von Männern und Frauen besteht ist strittig.
    3.) „Frauen schreiben nicht über Männer, es sei denn über DEN MANN als Angstfaktor.“
    Falsch. Der Feminismus hat verschiedene Phasen durchlaufen und hat anfangs sicherlich ein gewisses Feindbild “Mann” vertreten. Diese Tendenz wurde jedoch bald von einer sachlichen und differenzierten Auseinandersetzung abgelöst. Der heutige Feminismus wirft zudem viel globalere bis hin zu soziologischen Fragen auf.
    4.) „Vielleicht schreiben Frauen über Kinder?“
    Schade fände ich es, wenn sie NUR über Kinder schreiben würden. Vielleicht schreiben Frauen aber auch über xxxxxxxx…..
    5.) „Im Beruf möchte der Mann als Funktionsträger wahrgenommen werden. Er möchte professionell wirken. Kein Mann möchte im Beruf als Geschlechtswesen wahrgenommen werden.
    Das gilt auf für Frauen. Tatsächlich gab es aber gerade von Seiten des französischen Feminismus die Kritik, dass es falsch sei, überhaupt in Genderkategorien zu argumentieren, da dies immer wieder hervorhebe, dass es zwei Pole gibt und nie eine “Gleichheit” entstehen könne. So wurde von manchen Feministinnen behauptet, “Frau” und “Mann” existiere überhaupt nicht. Später ging man wieder zu der Ansicht über, dass man ja nicht Gleichheit, sondern Gleichwertigkeit erreichen wolle. Schwieriges Thema. Bleibt aber die Frage, ob Männer sich tatsächlich rein als Funktionsträger verstehen? Ich behaupte das Problem ist folgendes: der Begriff “Funktionsträger” impliziert automatisch “männlich”. Die intuitive Vorstellung von einem Funktionsträger ist ein Mann in Anzug. Nicht eine Frau. Somit gilt hier ähnliches wie dem vermeintlich “neutralen” Diskurs unter Männern: wann immer man einen allgemeinumfassenden Diskurs betrachet, oder höhere berufliche Funktionen, herrscht eine mehr oder weniger ausgeprägte männliche Dominanz vor.
    6.) „Kein Mann würde Vereinigungen gründen, mit dem Ziel, der Welt die besondere männliche Sicht nahezubringen.“
    Siehe 5.) Wenn man Staatsformen und Universitäten als Vereinigungen verstehen möchte, so HAT irgendwann einmal ein Mann eine solche gegründet, und gleichzeitig beschlossen, dass dort nur Männer eine (Wahl-)Stimme haben, sich Wissen aneignen und verbreiten dürfen.
    7.) „Frauen genügt das nicht. Sie wollen als Frauen wahrgenommen werden. Die „graue Maus“, d.h. die Frau, welche ihre Geschlechtlichkeit gegenüber der Funktion zurücknimmt, hat unter Frauen keinen hohen Status.“
    Sie wollen wahrgenommen werden. Streich das “als Frauen”. Und streich auch gleich “graue Maus” und “Status”.
    8.) „Das ist der Fehler!“
    Da ist kein Fehler da die These nicht stimmt.
    9.) „Ein Mann macht seinen Job. – Fertig!“
    Siehe 5.)
    10.) „Frauen machen zu viel Gedöns um wenig.“
    Siehe 1.)


  1. 1 Bloggen und Gender | fxneumann · Blog von Felix Neumann Trackback on 1. June 2010 at 22:39

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