Die Institutionalisierung von Amokläufen

Ein Gastbeitrag von Robert Brumme, Rostock

Um es kurz zu machen: Eine Gesellschaft legt fest, was normal ist, und die Mitglieder orientieren sich bei ihren Handlungen und Entscheidung an dieser vorherrschenden Vorstellung von Normalität. So kaufen wir unsere Brötchen beim Bäcker und nicht beim Fleischer; bringen den kranken Partner in die Klinik und nicht zur Bank und natürlich gehen wir in die Schule um etwas zu lernen und nicht um Menschen zu erschießen.

Diese Normalitätsvorstellungen – also Ideen davon, was gemacht und gedacht werden darf und was nicht – sind bereits vor unserer Zeit in Form von gesellschaftlichem Wissen vorhanden und werden von uns angewandt, weiterverarbeitet und verändert [1]. Denn natürlich können sich diese Vorstellungen mit der Zeit auch wandeln. So kann es sein, dass wir früher mal unsere Brötchen beim Bauern nebenan gekauft haben, das wir Kranke in Zukunft zu einem chinesischem Heilpraktiker schicken oder dass die Schule jener Ort wird, an dem junge Männer ihre verloren geglaubte Ehre wieder herstellen können – und zwar indem sie möglichst viele Menschen töten.

Eine unvorstellbare These – die dennoch nicht ganz unbegründet zu sein scheint. Denn es gab mal eine Zeit, in der Amokläufe normal waren. Doch dazu später mehr.

Normalität ist ein gesellschaftliches Konstrukt. Es wird durch die Handlungen und Ansichten der Mitglieder einer Gesellschaft erzeugt, verändert und angewandt und dient als Handlungsorientierung für alltägliche Vorgänge und Situationen. Dieser Normalitätsgedanke leitet uns bei unseren täglichen Handlungen und liefert uns Bewertungsmaßstäbe für »richtig« und »falsch« oder »angemessen« und »unangemessen«.

Wir werden als Mitglieder einer Gesellschaft mit Wissensbeständen und Rezeptwissen versorgt, welche uns das doch sonst so anstrengende Leben ungemein erleichtern. Wir müssen nämlich nicht jeden morgen überlegen, wo und wie wir unsere Brötchen herbekommen; wo wir unseren erkrankten Partner hinbringen oder was wir in der Schule zu tun und zu lassen haben. Die »richtigen« Antworten auf diese Fragen wurden uns ansozialisiert und die »angemessen« Reaktionen darauf werden von uns größtenteils unreflektiert ausgeführt. Dies erleichtert uns das Leben ungemein – denn es wäre ziemlich mühselig, jede Situation neu zu bewerten, auszuhandeln und alle Handlungsalternativen gegeneinander abzuwägen.

Haben sich spezielle Handlungsoptionen für adäquater oder effizienter in bestimmten Situationen erwiesen, so werden sie nach und nach zu gesellschaftlichem Basiswissen, welches den Mitgliedern des Kulturkreises zu Verfügung steht. Handlungen und soziale Abläufe werden institutionalisiert – was bedeutet, dass es für bestimmte Umstände und Situationen anerkannte Formen des Handelns und Reagierens gibt, welche sich bewährt haben. Und auf diese altbewährten Arten des Handelns greifen wir, sobald wir in jene Situationen kommen, zurück.

Das was uns interessiert ist, dass es zu einer Zeit in einer Region der Erde gesellschaftlich anerkannt war, in bestimmten Situationen Amok zu laufen. Wir sprechen von Malaysia im 15./16. Jahrhundert. Für Personen, die einen Gesichtsverlust, eine Kränkung oder ein schweres Trauma erlitten, bot die malaiische Kultur einen Ausweg aus dieser Situation an: eine Art „»Modell des Fehlverhaltens«, das die Kultur ihren Mitgliedern in Situationen großen Stresses als Entlastungsmechanismus zur Verfügung stellt“[2]. Die gekränkte Person durchlebte eine Phase des Rückzuges und des Brütens, bis sie schließlich mit dem Ruf »Amok! Amok!« auf die Straße stürzte und mit einem Dolch auf alle Menschen einstach, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten, so lange bis sie selber getötet wurde. Es gab demnach eine genaue gesellschaftliche Vorstellung darüber, wann ein Amoklauf als Reaktion auf eine bestimmte Situation in Frage kam und wie dieser abzulaufen hatte. Der Amoklauf war damit institutionalisiert [3].

Mit der Zeit verschwand diese Form des Handelns auch in der malaiischen Region und auf die oben beschriebenen Symptome wurden andere Reaktionsformen etabliert. Dieser Prozess kann aber auch umgekehrt ablaufen. So ist es möglich, dass ein Amoklauf als Reaktion auf bestimmte Erlebnisse und Gegebenheiten die wahrscheinlichste von vielen Handlungsalternativen für Jugendliche wird. Würde dies tatsächlich eintreten, wäre der Amoklauf eine adäquate Lösungsstrategie für bspw. erlebte Kränkungen, sozialen Ausschlusses oder den vermeintlichen Verlust der eigenen Ehre. Andere Formen zur Lösung der persönlichen Probleme würden in diesem Fall in den Hintergrund treten und der Amoklauf würde als angemessene Lösung angesehen werden.

Aber gibt es tatsächlich Anzeichen dafür, dass Amokläufen, die von Jugendlichen an ihren Bildungseinrichtungen begangen werden, in den letzten Jahren institutionalisiert wurden? Kann man wirklich davon sprechen, dass es bereits so etwas wie Rezeptwissen gibt, wie ein Amoklauf »richtig« durchgeführt wird und in welchen Situationen er in Frage kommt? Gibt es wirklich gesellschaftliches Wissen, an dem man sich orientieren kann, so als ob man Brötchen kaufen geht? Die Antwort scheint „ja“ zu sein. Die Handlungsalternativen, wie ein Amoklauf ablaufen muss, scheinen sich tatsächlich auf nur eine, als »normal« anerkannte, Form zu verengen.

Nehmen wir den Kleidungsstil der Amokläufer. Selbst für uns als „Außenstehende“ ist es schon Normalität geworden, dass die Täter nicht etwa bunte Kleidung mit Schlaghosen tragen oder einen BWLer-Schal mit Hemd und Designerhose. Nein – auch wir erwarten jemand mit schwarzer Kleidung oder einem Tarn/Kampf-Anzug, der vielleicht eine Ski-Maske oder eine Sonnenbrille trägt und möglicherweise mit bestimmten Accessoires wie Patronengürteln oder Messern ausgestattet ist. Diese Kleidungsform symbolisiert nämlich etwas: es geht um Ehre und die Wiederherstellung dieser mit allen Mitteln [4]. Alle jugendlichen Amokläufer in jüngerer Zeit haben sich an diesen „Kleiderkodex“ gehalten – von Amerika über Deutschland bis nach Finnland – von Cho Seung-Hui und Robert Steinhäuser bis zu Pekka-Eric Auvinen.

Zweitens scheint es Normalität geworden zu sein, die Tat auf irgendeine Art und Weise einige Stunden oder Tage vorher anzukündigen. Dies kann (personenabhängig) eine Art Warnung, ein Hilfeschrei oder aber auch ein gezieltes Informieren bestimmter Konsumenten und Mitwisser sein. Abschiedsbriefe (Sebastian Bosse), Internetblogs (Pekka-Eric Auvinen) oder ganze Videoserien (Cho Seung-Hui) sind Belege dafür, dass es scheinbar zum „guten Ton“ gehört der Nachwelt etwas zu hinterlassen.

Sogar Ort, Zeit und Durchführung der Tat scheinen sich zu institutionalisieren. Dass Jugendliche, die einen Amoklauf begehen, diesen an ihrer Schule durchführen scheint heutzutage bereits nahezuliegen. Aber man kann fragen „warum“? Wieso nicht im eigenen Elternhaus? Warum nicht im Schützenverein oder im Supermarkt? Und warum kehren auch jene, die bereits aus der Schule ausgeschieden sind (bspw. Robert Steinhäuser und Tim Kretschmar) für ihre Tat an diesen Ort zurück? Vielleicht weil sie gelernt haben, dass „man das so macht“.

Auch der Tatzeitpunkt liegt fast immer in den frühen Morgen- und Mittagsstunden – was zunächst wegen des Schulbetriebs sinnvoll erscheint aber dennoch dir Frage aufwirft, warum Amokläufe so gut wie nie am Nachmittag stattfinden [5]. Auch die Art der Durchführung gleicht sich zusehends. Kleidung anlegen – besetzte Klassen betreten – Feuer eröffnen – Selbstmord. So gut wie kein jugendlicher Amokläufer der jüngeren Zeit wurde festgenommen oder von der Polizei getötet. Fast alle haben sich selbst gerichtet – vielleicht auch um am Ende noch einmal ihre Macht zu demonstrieren.

Um es kurz zu machen: Normalität entsteht in unseren Köpfen. Und wenn wir es für normal und »angemessen« halten, auf Kränkung und Ausschluss, auf Demütigung oder fehlende Zuneigung mit Gewalt zu reagieren, dann wird es ganz schwer, solche Taten zu verhindern. Das adäquate Gegenmittel kann nur sein: Jugendliche gar nicht erst in Situationen kommen zu lassen, in denen sie einen Amoklauf für eine »richtige« Entscheidung halten.

Robert Brumme ist Masterkandidat an der Uni Rostock [Institutsseite] und Autor des Buchs „Amok – Amokläufe Jugendlicher an ihren Bildungseinrichtungen – Erklärungsansätze mit Hilfe soziologischer Theorien“ (2007, verlinkt zu amazon). Kontakt: robert.brumme[at]uni-rostock.de.

[1] Zur Sedimentierung von Wissen siehe: Berger, Peter L. & Luckmann, Thomas (1969): „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“, oder: Schütz, Alfred (1932): „Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt“

[2] Eisenberg, Götz, 2002: „Gewalt, die aus der Kälte kommt – Amok – Pogrom – Populismus“, S. 17

[3] Brumme, Robert (2007): „Amok – Amoklaufe Jugendlicher an ihren Bildungseinrichtungen – Erklärungsansätze mit Hilfe soziologischer Theorien“

[4] Lothar Adler im Spiegel Interview, einzusehen unter http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,194799,00.html

[5] Robert Steinhäuser 10:46 Uhr, Cho Seung-Hui ca. 9:30 Uhr, Sebastian Bosse 9:20 Uhr, Tim Kretschmar 9:33 Uhr, Eric Harris & Dylan Klebold 11:18 Uhr

Nur eine kleine Auswahl aus Hunderten von Blogbeiträgen zum Amoklauf in Winnenden:

14 Antworten zu „Die Institutionalisierung von Amokläufen“


  1. 1 Thomas Käckenmeister 13. März 2009 um 14:06

    Eine sehr plausibe Sichtweise auf dieses gesellschaftliche Phänomen.

    Amok sei der “Fluch der Menschheit”, wurde ein Psychologe im Zuge der immensen Presselawine zitiert. Hat er damit Recht? Nach dem Beitrag von Herrn Brumme entspricht diese Worthülse der damit verbundenen Metapher: Sie ist leer.

    Amok dient als ein Ventil für Jugendliche, Akzeptanz und Aufmerksamkeit in der Gesellschaft zu erlangen – auch wenn es nur für die Nachwelt erfolgt.

    Ein weiterer Gedanke, der mir beim Lesen des Beitrags kam: Warum finden Amokläufe in der Schule statt? Meine Antwort: Weil Schule öffentliche Räume sind, in der keine Barrieren existieren. Der Zugang ist einfach, die Wege sind dem Täter bekannt – und die Erinnerungen an die eigene, womöglich negativ behaftete Vergangenheit (Bilder, Geruch, Gesichter, Gedanken etc.) ist in der Schule allgegenwärtig.

  2. 2 Christian Droßmann 13. März 2009 um 15:21

    Schön, einen derart fundierten und differenzierten Beitrag zum Thema als Kontrast zu allen “schafft die Killerspiele ab”-Forderungen zu lesen…besonders dem Fazit würde ich voll zustimmen..

    cd

  3. 3 Andreas Kemper 13. März 2009 um 18:40

    Spannender Beitrag. Es fehlt zwar der Zusammenhang zwischen “Täterpofil” und der Handlung. Aber es gehr hier auch nur um eine Institutionalisierung, die sehr gut dargestellt wird.

  4. 4 pathoblogus 14. März 2009 um 13:35

    Also ich will hier ja nicht als Miesmacher dastehen, aber die hier vertretene These einer “Institutionalisierung” ist nicht haltbar. Schön und gut, dass der Amoklauf in der malaiischen Vergangenheit ein vorgegebenes oder möglicherweise sogar akzeptiertes Handlungsschema war, geht dem Schema bei uns die Akzeptanz doch ab. Die bloße Kategorisierbarkeit des Täters, die klischeehaften Zusammenhänge: Kriegsspiele, Waffennarr, schwarze Kleidung und Sonnenbrille machen aus diesem “Script” keine Institution. Du projezierst die Umstände der in der Vergangenheit geltenden Gesellschaftszusammenhänge über den bloßen Wortgebrauch: Amok auf die heutige Anwendung, das ist vollkommen unwissenschaftlich. Es ist eine vollkommen andere Sache, dass Devianz aus dem Glauben an eine materiale Kultur und ihre fixe Gegebenheit entsteht. Das ist ein reiner Effekt aus dem naiven Umgang mit der jeweiligen Gesellschaft, Menschen neigen eben dazu, ihr Umfeld metaphysich zu untermauern –> daraus entsteht dann die Abwertung des Abweichenden.

    Und was zum Autor zu sagen ist: die angegebene Publikation zum Amoklauf vom besagten Brumme ist keine seriöse Quelle (Grinverlag!!!)

    • 5 Benny 24. Oktober 2009 um 00:47

      Wüsste jetzt aber nicht warum der Grinverlag nicht seriös genug ist – da bekommen Sie jede Menge hochwertige wissenschaftliche Arbeiten gegen Bares angeboten. Ihr (auf mich) suggerierter Vergleich zu bspw. Wikipedia ist aus meiner Sicht unangemessen.

      Im Übrigen teile ich aber die kritische Sicht zu Institutionalisierung!

  5. 6 Robert Brumme 14. März 2009 um 14:40

    Sei ruhig der Miesmacher, diskussionsbedarf ist immer gut.

    Möglicherweise fasse ich den Begriff „Institution“ ja etwas weicher als du. Für mein Dafürhalten wird der Amoklauf zur Institution sobald es gesellschaftliches Wissen darüber gibt, wann er eine „angemessene“ Reaktionsform ist, wie ich ihn durchzuführen habe, was ich anzuziehen habe, wie ich mich zu präsentieren habe, was mein Ziel ist, wie ich es umsetzte, usw. Institutionalisierung hat doch nichts mit ganzgesellschaftlicher Akzeptanz zu tun. Akzeptanz wird doch in der jeweiligen Gruppe erzeugt. So kann das Kaufen von Heroin und deren Zubereitung zum Konsum sich bei bestimmten Gruppen institutionalisiert haben – und muss dennoch nicht gesellschaftlich akzeptiert sein. Auch Kriege sind eine Institution – über deren Akzeptanz kann man ebenfalls reden. Vielleicht ist in meinem Bericht der Eindruck entstanden, dass es irgendwann wieder (wie in der malaiischen Kultur) eine Duldung/Akzeptierung dieses Fehlverhaltens geben wird – das denke ich auch nicht, aber ich vermute, dass es sich die Muster, wie ein Amoklauf auszusehen hat, auf ein Schema verengen werden, und dass Jugendliche sich dieses Lösungsansatzes zur Problembekämpfung relativ häufiger bedienen werden. (Über deine Vermutung zu den „klischeehaften Zusammenhängen“ gibt’s vielleicht die Tage etwas mehr – denn das Vorhandesein von Klischees sollte man ja auch wissenschaftlich nachweisen können).

  6. 7 pathoblogus 14. März 2009 um 16:46

    Recht muss ich dir geben, wenn du sagst, du hättest einen anderen Begriff von der Institution als ich. Einen Fehler, und darauf wollte ich auch schon vorhin hinaus, machst du allerdings, wenn du von einer – wenn auch unter Anführungszeichen – “angemessenen Reaktionsform” sprichst. Diese Kritik ist jetzt bitte auf keinen Fall moralisch zu verstehen, liegt doch schon in der Handlung des Amoklaufs eine Verneinung des angemessenen Handelns als grundlegendes Moment. Quasi der Versuch eines transzendenten Aufbegehrens, das höchstens über den Umweg des Betrachters wieder in den gesellschaftlichen Zusammenhang zurückgeholt werden kann.
    Natürlich schließt die Gesellschaft Überschreitungsmöglichkeiten ihrer selbst in sich ein, ich würde aber den Amoklauf nicht dazuzählen.
    Bestimmtes antigesellschaftliches Handeln ist aus der Position der Gesellschaft nur als ein ANDERES fassbar, demzufolge würde ich es auch nicht als eine Institution bezeichnen. Man kann einen Terroristen auch nicht fragen warum er nicht logischer vorgeht (–> Baudrillard).

    Außerdem und daraus entsteht mein Unverständnis für das malaiische Beispiel (wiewohl es natürlich unterhaltsam und interessant ist) müsste vor einer Vergleichbarkeit, und die wird einfach suggeriert, das Subjektverständnis und Handlungsverständnis eines malaiischen “Menschen” erst herausgearbeitet werden, was ich übrigens ziemlich interessant fände.

  7. 8 Robert Brumme 14. März 2009 um 19:24

    Für den Amokläufer ist diese Reaktionsform angemessen. Sogar ohne Anführungsstriche. Für ihn ist es eine Lösungsmöglichkeit seiner Probleme, scheinbar sogar die einzige – für uns (als Nicht-Amokläufer) ist die Reaktion natürlich vollkommen unangemessen. Das sind doch alles nur Bewertungen unserer Handlungen – Konstrukte ohne jeden objektiven Gehalt. Angemessen und unangemessen sind doch nie objektiv sondern immer nur konstruiert. Und in dem Artikel sollte aufgezeigt werden, wie es sein kann, dass für eine bestimmte Gruppe von Jugendlichen ein Amoklauf eine angemessen Handlung für eine bestimmte Situation werden kann. Er hat Teile “unseres” Normen&WerteKanons ausgetauscht gegen seine neuen Werte und Normen (siehe Robert K Merton: Typen der Individuellen Anpassung “Rebellion” … wird die Tage vielleicht auch noch nachgereicht). Und natürlich hast du Recht, dass ein grundlegendes Moment und Kennzeichen des Amokläufers die Verneinung der gesellschaftlichen “Angemessenheit” ist (siehe bspw. die Ablehungung von SAART bei Bastian Bosse). Sobald er die vorherrschenden Mittel und Ziele ablehnt sucht er sich neue (Substitution) und das wird immer einfacher, je stärker Amokläufe sich institutionalisieren (oder wie immer man es nennen will). PS: das malaiische Bsp wurde nur als Veranschaulichung eingearbeitet um zu zeigen, dass Amokläufe gesellschaftlich als Extremform des Handelns etabliert waren (in begrenzten Regionen, zu begrenzten Zeiten, begrenz auf bestimmte Personen mit bestimmten Charakteristika).

  8. 9 Lando 30. Juni 2009 um 00:14

    “Warum nicht im Schützenverein oder im Supermarkt? Und warum kehren auch jene, die bereits aus der Schule ausgeschieden sind (bspw. Robert Steinhäuser und Tim Kretschmar) für ihre Tat an diesen Ort zurück? Vielleicht weil sie gelernt haben, dass „man das so macht“.”

    Naja liegt es nicht eher daran, dass Steinhäuser und co. ihre Kränkungen eben im Sozialisierungshorror der schulischen Selektionsbetriebe statt im Schützenverein oder Supermarkt erfuhren? Das hat mit “weil man das so macht” wohl m.E. wenig zu tun.


  1. 1 Soziobloge Trackback zu 13. März 2009 um 13:31
  2. 2 Eine Kultur des Sich-Umeinander-Kümmerns | Johannes Moskaliuk Trackback zu 14. März 2009 um 13:15
  3. 3 Blick Log » Amok der Medien in Winnenden: Blick auf die Medienkritik in Medien und Blogs Trackback zu 15. März 2009 um 12:52
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