von Martin Booker
Eben entdeckt, dass WELT ONLINE Ralph Dahrendorfs Rede zum 40. Jubiläum des Wissenschaftszentrums Berlin am 18. Februar 2009 veröffentlicht hat. Dahrendorf spricht dabei über den Rückzug der Sozialwissenschaftler in ihre eigenen Welten und Bezugsgruppen seit den 60er Jahren, und über seinen Wunsch, dass der Typus “öffentliche/r Intellektuelle/r” wieder an Prominenz gewinnt:
Das Wort “Wissenschaftler” bedarf dabei einer Korrektur: Sie sollten sich nämlich als Vermittler zwischen Wissenschaft und Praxis betätigen, also als öffentliche Intellektuelle. Dazu sind weniger die Fachzeitschriften als die allgemeinen Medien hilfreich. Vor allem aber müssen öffentliche Intellektuelle die Berührungsängste ablegen, die sie am öffentlichen Wirken hindern.
Auf unser Anliegen übersetzt heisst dies: Mehr Wissenschaftler in die Blogosphäre! Weniger Elfenbeinturm und mehr zivilgesellschaftliches Engagement! Erkenntnisse gewinnen und die Öffentlichkeit an diesem Gewinn beteiligen!
Die kurze wie einsichtsvolle Rede gibt es auf dieser Seite bei WELT ONLINE. Fast scheint mir, als hätte Dahrendorf bei uns abgeschrieben.
Dahrendorf selbst hat sich übrigens auch schon am Bloggen versucht: Ralph Dahrendorfs Blog im Project Syndicate.


Wenn man die Öfffentlichkeit mehr daran teilhaben lassen möchte, so müsste man eigentlich auch die immer mehr nur in Englisch erhältliche Fachliteratur in die jeweiligen Landessprachen übersetzen. FÜr die Wissenschaft mag es zwar sinnvoll sein, sich auf eine Sprache zu einigen. Für den interessierten Laien sehe ich da eine ziemliche Hürde.
Angst vor Mittelkürzung o.ä. führt bei vielen wohl auch dazu, streitbare Positionen in eine breite Öffentlichkeit zu tragen, dort Diksussionen anzuregen und mitzubestimmen. Kommentare aus Wissenschaft und Forschung werden zu Illustrationszwecken gebraucht – mehr kaum.
Wer sich in die prophane Welt begibt läuft auch Gefahr, sich in seiner “Wissenschaftspeergroup” zu disqualifizieren. So wird das “Impressionsmanagement” gepflegt – und ansonsten sich in Zurückhaltung geübt. Dazwischen findet sich ab und an Zeit, über Politik, Überlastung mit Organisation und Formalia etc. zu lamentieren.