Eine Soziologie, in der sich das Individuum wiedererkennt…

von Stefan Spiess

Gestern ist auf telepolis.de ein sehr interessantes Interview mit Walter van Rossum erschienen – “Fernsehen nur für vierstellige Bestechungshonorare“. Anlass dafür ist sein Buch “Die Tagesshow – Wie man in 15 Minuten die Welt unbegreiflich macht“.

Die Fragen und Antworten setzen sich damit auseinander, wie viel es kostet, Herrschaftswissen über die Medien umzusetzen, und mit dem, was van Rossum als den “Totalitarismus der Mitte” bezeichnet. Ich will hier nicht das ganze Interview zusammenfassen: Selbst lesen macht schlau. Allerdings finde ich eine Passage hervorhebenswert:

[Der Totalitarismus der Mitte] funktioniert über Zustimmung oder wenigstens fehlenden Einspruch. Das ist billiger und effizienter. Aber um diese Frage zu beantworten, reicht es nicht, irgendwelche Gruppen als Büttel des Kapitals zu identifizieren. Dazu bräuchte man eine Soziologie, in der das Individuum sich wiedererkennt. Um zu begreifen, was in der Gesellschaft vorgeht, muss ich begreifen, was in mir vorgeht.

Und ein Interview, in dem diese Passage vorkommt, muss eigentlich bei uns erwähnt und verlinkt werden.

Auch wenn einen die Nachrichten von “der Politik“, “dem organisierten Verbrechen” oder “der Wirtschaft” das manchmal vergessen lassen – es sind stets Menschen, die handeln. Eine der Hauptfähigkeiten des soziologischen Denkens ist es, hinter die Kulissen zu sehen. Und damit macht man die Personen und Mechanismen sichtbar, die zu den Verhältnissen führen, in denen man lebt, bis hin zu einem selbst.

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