Archiv der Kategorie 'Wissenssoziologie'

Die Institutionalisierung von Amokläufen

Ein Gastbeitrag von Robert Brumme, Rostock

Um es kurz zu machen: Eine Gesellschaft legt fest, was normal ist, und die Mitglieder orientieren sich bei ihren Handlungen und Entscheidung an dieser vorherrschenden Vorstellung von Normalität. So kaufen wir unsere Brötchen beim Bäcker und nicht beim Fleischer; bringen den kranken Partner in die Klinik und nicht zur Bank und natürlich gehen wir in die Schule um etwas zu lernen und nicht um Menschen zu erschießen.

Diese Normalitätsvorstellungen – also Ideen davon, was gemacht und gedacht werden darf und was nicht – sind bereits vor unserer Zeit in Form von gesellschaftlichem Wissen vorhanden und werden von uns angewandt, weiterverarbeitet und verändert [1]. Denn natürlich können sich diese Vorstellungen mit der Zeit auch wandeln. So kann es sein, dass wir früher mal unsere Brötchen beim Bauern nebenan gekauft haben, das wir Kranke in Zukunft zu einem chinesischem Heilpraktiker schicken oder dass die Schule jener Ort wird, an dem junge Männer ihre verloren geglaubte Ehre wieder herstellen können – und zwar indem sie möglichst viele Menschen töten.

Eine unvorstellbare These – die dennoch nicht ganz unbegründet zu sein scheint. Denn es gab mal eine Zeit, in der Amokläufe normal waren. Doch dazu später mehr. weiterlesen ‘Die Institutionalisierung von Amokläufen’

Parentopoli – Mafiöse Wissenschaft?

von Stefan Spiess, Regensburg

Neben Pizza und Pasta ist die Mafia sicherlich einer von Italiens größten Exportschlagern – allerdings wohl auch eine seiner größten Geißeln. Eine der Grundsäulen ihrer Funktionsweise ist der Klientelismus. Das Prinzip scheint auch an Italiens Universitäten lange Zeit gang und gäbe gewesen zu sein. (Neue Links verfügbar!) weiterlesen ‘Parentopoli – Mafiöse Wissenschaft?’

Shakespeare versus Bacon – Ein Enthüllungsvideo der Wissenschaftlergruppe „Whitest Kids U Know“

Francis Bacon ist zugleich Vordenker und Rätsel der Wissenssoziologie. War er der Urheber von Shakespeares Werken? War er ein Kopist seines sehr viel früher lebenden Namensvetters Roger Bacon (Francis’ Idola sind nahezu deckungsgleich mit Roger’s offendicula)? Martin hat heute seine Reihe über Wissenssoziologie eingeleutet, ein guter Zeitpunkt, einen der Vorreiter mal etwas genauer unter die analytische Lupe zu nehmen. Zunächst einmal allerdings (während ich meine Materialien zu Sir Francis Bacon, Lord Keeper of the Seal und späterer Lord Chancellor seiner Majestät zusammenkrame…) ein erstaunlicher Film, der bereits einige hinweise zur Lösung der Shakespeare/Bacon-Frage geben könnte…

Was ist eigentlich Wissenssoziologie?

Posted by Martin Booker

Für die kommenden Wochen habe ich einige Beiträge zum Thema Wissenssoziologie geplant. Was jedoch steckt hinter dem hehren Namen? Welche Schlüsselkonzepte haben Wissenssoziologen in die Wissenschaft eingebracht? Und wer waren/sind überhaupt die Protagonisten dieser Theorie-Richtung?

Um diesen Artikel kurz und knackig zu halten, muss auf eine umfassende Darstellung des Themas verzichtet werden. Ich verweise hierfür auf einschlägige Lexika-Artikel und Einführungsbände zu dem Thema. Der Wikipedia-Artikel „Wissenssoziologie“ ist zwar interessant zu lesen, weist jedoch erhebliche Lücken auf. Insbesondere Alfred Schütz und Thomas Kuhn aus dem Artikel heraus zu lassen, offenbart klare Defizite (Stand 30.04.2008 – Ich hoffe, ich komme demnächst dazu, den Wikipedia-Artikel zu überarbeiten).

Im Kontext der geplanten Beiträge auf diesem Blog ist vor allem die sog. Neuere Wissenssoziologie um Alfred Schütz, Peter L. Berger und Thomas Luckmann interessant (für die „ältere“ und den Vorläufern in der Philosophie verweise ich dann doch auf den Wikipedia-Artikel). Berger/Luckmann gaben 1966 ihr Hauptwerk „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ heraus. Darin versuchten sie zu analysieren, wie die Wirklichkeit, in der wir leben, die wir für gewöhnlich als selbstverständlich ansehen, sozial vermittelt wird. weiterlesen ‘Was ist eigentlich Wissenssoziologie?’


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