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	<title>homo sociologicus &#187; Wissenssoziologie</title>
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		<title>Die Institutionalisierung von Amokläufen</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Mar 2009 12:01:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gast</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konstruierte Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenssoziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Amoklauf]]></category>
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		<category><![CDATA[Normalität]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie des Amoklaufs]]></category>
		<category><![CDATA[Winnenden]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Gastbeitrag von Robert Brumme, Rostock Um es kurz zu machen: Eine Gesellschaft legt fest, was normal ist, und die Mitglieder orientieren sich bei ihren Handlungen und Entscheidung an dieser vorherrschenden Vorstellung von Normalität. So kaufen wir unsere Brötchen beim Bäcker und nicht beim Fleischer; bringen den kranken Partner in die Klinik und nicht zur [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=homosociologicus.de&amp;blog=2259473&amp;post=1034&amp;subd=homosociologicus&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ein Gastbeitrag von Robert Brumme, Rostock</em></p>
<p>Um es kurz zu machen: Eine Gesellschaft legt fest, was normal ist, und die Mitglieder orientieren sich bei ihren Handlungen und Entscheidung an dieser vorherrschenden Vorstellung von Normalität. So kaufen wir unsere Brötchen beim Bäcker und nicht beim Fleischer; bringen den kranken Partner in die Klinik und nicht zur Bank und natürlich gehen wir in die Schule um etwas zu lernen und nicht um Menschen zu erschießen.</p>
<p>Diese Normalitätsvorstellungen – also Ideen davon, was gemacht und gedacht werden darf und was nicht – sind bereits vor unserer Zeit in Form von gesellschaftlichem Wissen vorhanden und werden von uns angewandt, weiterverarbeitet und verändert [1]. Denn natürlich können sich diese Vorstellungen mit der Zeit auch wandeln. So kann es sein, dass wir früher mal unsere Brötchen beim Bauern nebenan gekauft haben, das wir Kranke in Zukunft zu einem chinesischem Heilpraktiker schicken oder dass die Schule jener Ort wird, an dem junge Männer ihre verloren geglaubte Ehre wieder herstellen können – und zwar indem sie möglichst viele Menschen töten.</p>
<p>Eine unvorstellbare These – die dennoch nicht ganz unbegründet zu sein scheint. Denn es gab mal eine Zeit, in der Amokläufe normal waren. Doch dazu später mehr. <span id="more-1034"></span></p>
<p>Normalität ist ein gesellschaftliches Konstrukt. Es wird durch die Handlungen und Ansichten der Mitglieder einer Gesellschaft erzeugt, verändert und angewandt und dient als Handlungsorientierung für alltägliche Vorgänge und Situationen. Dieser Normalitätsgedanke leitet uns bei unseren täglichen Handlungen und liefert uns Bewertungsmaßstäbe für »richtig« und »falsch« oder »angemessen« und »unangemessen«.</p>
<p>Wir werden als Mitglieder einer Gesellschaft mit Wissensbeständen und Rezeptwissen versorgt, welche uns das doch sonst so anstrengende Leben ungemein erleichtern. Wir müssen nämlich nicht jeden morgen überlegen, wo und wie wir unsere Brötchen herbekommen; wo wir unseren erkrankten Partner hinbringen oder was wir in der Schule zu tun und zu lassen haben. Die »richtigen« Antworten auf diese Fragen wurden uns ansozialisiert und die »angemessen« Reaktionen darauf werden von uns größtenteils unreflektiert ausgeführt. Dies erleichtert uns das Leben ungemein – denn es wäre ziemlich mühselig, jede Situation neu zu bewerten, auszuhandeln und alle Handlungsalternativen gegeneinander abzuwägen.</p>
<p>Haben sich spezielle Handlungsoptionen für adäquater oder effizienter in bestimmten Situationen erwiesen, so werden sie nach und nach zu gesellschaftlichem Basiswissen, welches den Mitgliedern des Kulturkreises zu Verfügung steht. Handlungen und soziale Abläufe werden institutionalisiert – was bedeutet, dass es für bestimmte Umstände und Situationen anerkannte Formen des Handelns und Reagierens gibt, welche sich bewährt haben. Und auf diese altbewährten Arten des Handelns greifen wir, sobald wir in jene Situationen kommen, zurück.</p>
<p>Das was uns interessiert ist, dass es zu einer Zeit in einer Region der Erde gesellschaftlich anerkannt war, in bestimmten Situationen Amok zu laufen. Wir sprechen von Malaysia im 15./16. Jahrhundert. Für Personen, die einen Gesichtsverlust, eine Kränkung oder ein schweres Trauma erlitten, bot die malaiische Kultur einen Ausweg aus dieser Situation an: eine Art „»Modell des Fehlverhaltens«, das die Kultur ihren Mitgliedern in Situationen großen Stresses als Entlastungsmechanismus zur Verfügung stellt“[2]. Die gekränkte Person durchlebte eine Phase des Rückzuges und des Brütens, bis sie schließlich mit dem Ruf »Amok! Amok!« auf die Straße stürzte und mit einem Dolch auf alle Menschen einstach, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten, so lange bis sie selber getötet wurde. Es gab demnach eine genaue gesellschaftliche Vorstellung darüber, wann ein Amoklauf als Reaktion auf eine bestimmte Situation in Frage kam und wie dieser abzulaufen hatte. Der Amoklauf war damit institutionalisiert [3].</p>
<p>Mit der Zeit verschwand diese Form des Handelns auch in der malaiischen Region und auf die oben beschriebenen Symptome wurden andere Reaktionsformen etabliert. Dieser Prozess kann aber auch umgekehrt ablaufen. So ist es möglich, dass ein Amoklauf als Reaktion auf bestimmte Erlebnisse und Gegebenheiten die wahrscheinlichste von vielen Handlungsalternativen für Jugendliche wird. Würde dies tatsächlich eintreten, wäre der Amoklauf eine adäquate Lösungsstrategie für bspw. erlebte Kränkungen, sozialen Ausschlusses oder den vermeintlichen Verlust der eigenen Ehre. Andere Formen zur Lösung der persönlichen Probleme würden in diesem Fall in den Hintergrund treten und der Amoklauf würde als angemessene Lösung angesehen werden.</p>
<p>Aber gibt es tatsächlich Anzeichen dafür, dass Amokläufen, die von Jugendlichen an ihren Bildungseinrichtungen begangen werden, in den letzten Jahren institutionalisiert wurden? Kann man wirklich davon sprechen, dass es bereits so etwas wie Rezeptwissen gibt, wie ein Amoklauf »richtig« durchgeführt wird und in welchen Situationen er in Frage kommt? Gibt es wirklich gesellschaftliches Wissen, an dem man sich orientieren kann, so als ob man Brötchen kaufen geht? Die Antwort scheint „ja“ zu sein. Die Handlungsalternativen, wie ein Amoklauf ablaufen muss, scheinen sich tatsächlich auf nur eine, als »normal« anerkannte, Form zu verengen.</p>
<p>Nehmen wir den Kleidungsstil der Amokläufer. Selbst für uns als „Außenstehende“ ist es schon Normalität geworden, dass die Täter nicht etwa bunte Kleidung mit Schlaghosen tragen oder einen BWLer-Schal mit Hemd und Designerhose. Nein – auch wir erwarten jemand mit schwarzer Kleidung oder einem Tarn/Kampf-Anzug, der vielleicht eine Ski-Maske oder eine Sonnenbrille trägt und möglicherweise mit bestimmten Accessoires wie Patronengürteln oder Messern ausgestattet ist. Diese Kleidungsform symbolisiert nämlich etwas: es geht um Ehre und die Wiederherstellung dieser mit allen Mitteln [4]. Alle jugendlichen Amokläufer in jüngerer Zeit haben sich an diesen „Kleiderkodex“ gehalten – von Amerika über Deutschland bis nach Finnland – von Cho Seung-Hui und Robert Steinhäuser bis zu Pekka-Eric Auvinen.</p>
<p>Zweitens scheint es Normalität geworden zu sein, die Tat auf irgendeine Art und Weise einige Stunden oder Tage vorher anzukündigen. Dies kann (personenabhängig) eine Art Warnung, ein Hilfeschrei oder aber auch ein gezieltes Informieren bestimmter Konsumenten und Mitwisser sein. Abschiedsbriefe (Sebastian Bosse), Internetblogs (Pekka-Eric Auvinen) oder ganze Videoserien (Cho Seung-Hui) sind Belege dafür, dass es scheinbar zum „guten Ton“ gehört der Nachwelt etwas zu hinterlassen.</p>
<p>Sogar Ort, Zeit und Durchführung der Tat scheinen sich zu institutionalisieren. Dass Jugendliche, die einen Amoklauf begehen, diesen an ihrer Schule durchführen scheint heutzutage bereits nahezuliegen. Aber man kann fragen „warum“? Wieso nicht im eigenen Elternhaus? Warum nicht im Schützenverein oder im Supermarkt? Und warum kehren auch jene, die bereits aus der Schule ausgeschieden sind (bspw. Robert Steinhäuser und Tim Kretschmar) für ihre Tat an diesen Ort zurück? Vielleicht weil sie gelernt haben, dass „man das so macht“.</p>
<p>Auch der Tatzeitpunkt liegt fast immer in den frühen Morgen- und Mittagsstunden – was zunächst wegen des Schulbetriebs sinnvoll erscheint aber dennoch dir Frage aufwirft, warum Amokläufe so gut wie nie am Nachmittag stattfinden [5]. Auch die Art der Durchführung gleicht sich zusehends. Kleidung anlegen – besetzte Klassen betreten – Feuer eröffnen – Selbstmord. So gut wie kein jugendlicher Amokläufer der jüngeren Zeit wurde festgenommen oder von der Polizei getötet. Fast alle haben sich selbst gerichtet – vielleicht auch um am Ende noch einmal ihre Macht zu demonstrieren.</p>
<p>Um es kurz zu machen: Normalität entsteht in unseren Köpfen. Und wenn wir es für normal und »angemessen« halten, auf Kränkung und Ausschluss, auf Demütigung oder fehlende Zuneigung mit Gewalt zu reagieren, dann wird es ganz schwer, solche Taten zu verhindern. Das adäquate Gegenmittel kann nur sein: Jugendliche gar nicht erst in Situationen kommen zu lassen, in denen sie einen Amoklauf für eine »richtige« Entscheidung halten.</p>
<p><em>Robert Brumme ist Masterkandidat an der Uni Rostock [<a href="http://www.wiwi.uni-rostock.de/soziologie/makrosoziologie/studentische-hilfskraefte-und-tutorinnen/robert-brumme/">Institutsseite</a>] und Autor des Buchs „<a href="http://www.amazon.de/Amok-Jugendlicher-Bildungseinrichtungen-Erkl%C3%A4rungsans%C3%A4tze-soziologischer/dp/3638893294/ref=sr_1_22?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1236947687&amp;sr=1-22">Amok – Amokläufe Jugendlicher an ihren Bildungseinrichtungen – Erklärungsansätze mit Hilfe soziologischer Theorien</a>“ (2007, verlinkt zu amazon). Kontakt: <big><span style="font-family:Calibri;">robert.brumme[at]uni-rostock.de.</span></big></em></p>
<p>[1] Zur Sedimentierung von Wissen siehe: Berger, Peter L. &amp; Luckmann, Thomas (1969): „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“, oder: Schütz, Alfred (1932): „Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt“</p>
<p>[2] Eisenberg, Götz, 2002: „Gewalt, die aus der Kälte kommt – Amok &#8211; Pogrom &#8211; Populismus“, S. 17</p>
<p>[3] Brumme, Robert (2007): „Amok – Amoklaufe Jugendlicher an ihren Bildungseinrichtungen – Erklärungsansätze mit Hilfe soziologischer Theorien“</p>
<p>[4] Lothar Adler im Spiegel Interview, einzusehen unter http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,194799,00.html</p>
<p>[5] Robert Steinhäuser 10:46 Uhr, Cho Seung-Hui ca. 9:30 Uhr, Sebastian Bosse 9:20 Uhr, Tim Kretschmar 9:33 Uhr, Eric Harris &amp; Dylan Klebold 11:18 Uhr</p>
<p><strong>Nur eine kleine Auswahl aus Hunderten von Blogbeiträgen zum Amoklauf in Winnenden:</strong></p>
<ul>
<li>Eloquenz: <a href="http://wolfrevo.wordpress.com/2009/03/11/aktuelle-berichterstattung-uber-den-amok-lauf-in-winnenden/">Aktuelle Berichterstattung über den Amoklauf in Winnenden</a></li>
<li>Ostroblog: <a href="http://ostrop.wordpress.com/2009/03/12/winnenden-twitterfail/">#winndenden #twitterfail</a></li>
<li>Karl Eduards Kanal: <a href="http://karleduardskanal.wordpress.com/2009/03/12/schwer-enttauscht/">Schwer enttäuscht</a></li>
<li>Muslime: <a href="http://muslime.wordpress.com/2009/03/12/die-toten-von-winnenden-und-die-mitschuld-der-amok-industrie/">Die Toten von Winnenden und die Mitschuld der Amokindustrie</a></li>
<li>Der AmSel-Gedanke Plus = Gemeinschaft: <a href="http://moltaweto.wordpress.com/2009/03/12/amoklauf-von-winnenden-ursache-und-wirkung/">Amoklauf von Winnenden: Ursache und Wirkung?</a></li>
<li>homo homini lupus: <a href="http://quadraturacirculi.wordpress.com/2009/03/12/amoklaufe-%E2%80%93-eine-medienkritik/">Amokläufe &#8211; eine Medienkritik</a></li>
<li>Wegbegleiter &#8211; Fährtensucher &#8211; Wellenreiter: <a href="http://wegbegleiter.wordpress.com/2009/03/11/amoklauf-in-winnenden-nennen-wir-das-kind-beim-namen/">Amoklauf in Winnenden: Nennen wir das Kind beim Namen!</a></li>
<li>CrapTeD: <a href="http://crapted.wordpress.com/2009/03/12/amoklauf-in-winnenden-ist-nicht-im-internet-angekundigt-wurden/">Amoklauf in Winnenden wurde NICHT vorher im Internet angekündigt! Das angebliche Bild ist ein Fake.</a></li>
<li>a:bout queer lif:e green politic:s: <a href="http://oliverritter.wordpress.com/2009/03/11/amoklauf-in-deutschland-zeigt-dummheit-der-strache-forderung/">Amoklauf in Deutschland zeigt Dummheit der Strache Forderung</a></li>
<li>Meinungsblog: <a href="http://meinungsblog.wordpress.com/2009/03/12/waffenrecht-nach-winnenden/">Waffenrecht nach Winnenden</a></li>
<li>11k2: <a href="http://11k2.wordpress.com/2009/03/12/killerspiele-verbot-nach-winnenden/">Killerspiele-Verbot nach Winnenden?</a></li>
<li>Neue Fragmente eines Ungenannten:<a href="http://ungenannter.wordpress.com/2009/03/12/zum-amoklauf-der-medien/"> Zum Amoklauf der Medien</a></li>
<li>Mein Video-Reisetagebuch: <a href="http://videoreisetagebuch.wordpress.com/2009/03/12/amoklauf-in-winnenden-wie-weit-durfen-hobby-videofilmer-gehen-brauchen-wir-einen-moralkodex-fur-camcorder-besitzer/">Brauchen wir einen Moralkodex für Camcorder-Besitzer?</a></li>
</ul>
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		<item>
		<title>Parentopoli &#8211; Mafiöse Wissenschaft?</title>
		<link>http://homosociologicus.de/2008/11/27/parentopoli-mafiose-wissenschaft/</link>
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		<pubDate>Thu, 27 Nov 2008 01:58:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Spiess</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Italien]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenssoziologie]]></category>
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		<description><![CDATA[Was geht vor sich in Italien? Die Universitäten scheinen ganz ähnlich organisiert zu sein wie die Wirtschaft - und damit zu großen Teilen durchdrungen von klientelistischen Strukturen. Ist das eine neue Bildungsmafia?<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=homosociologicus.de&amp;blog=2259473&amp;post=794&amp;subd=homosociologicus&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Stefan Spiess, Regensburg</em></p>
<p>Neben Pizza und Pasta ist die Mafia sicherlich einer von Italiens größten Exportschlagern &#8211; allerdings wohl auch eine seiner größten Geißeln. Eine der Grundsäulen ihrer Funktionsweise ist der Klientelismus. Das Prinzip scheint auch an Italiens Universitäten lange Zeit gang und gäbe gewesen zu sein. (<em><span style="text-decoration:underline;">Neue Links verfügbar!</span></em>)<span id="more-794"></span></p>
<p>Aufmerksam wurde ich auf das Thema schon während unseres Gespräches mit dem Psychologie-Professor Girolamo LoVerso während unseres Aufenthaltes auf Sizilien im Februar 2008. Er erwähnte, dass in einigen Fakultäten die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Familie sicherlich deutlich wichtiger sei, als die eigene akademische Leistung. Dass diese Funktionsweise allerdings im wissenschaftlichen Bereich derartige Triebe schlagen würde, das vermutete man nach seinen Ausführungen eher nicht. Mit dem <a href="http://sizilienexkursion08.de/berichte/%e2%80%9cmafia-von-innen%e2%80%9d-gesprach-mit-dem-psychologieprofessor-girolamo-lo-verso/">Bericht von Franz Trum</a> zum Gespräch gesagt:</p>
<blockquote><p>Auf unsere nächste Frage, ob er wegen seiner Arbeit seitens der Mafia schon einmal bedroht wurde, antwortete er mit „nein&#8221; und begründete dies damit, dass der Mafia die wissenschaftliche Arbeit egal sei.</p></blockquote>
<p>Anders ausgedrückt: Die Wissenschaftskultur ist nicht so sehr Ziel solcher Organisationen, weil man da nichts für die Mafia interessantes holen kann, die stille Unterstellung ist wohl, da ist nicht genug Geld, da ist nicht genug Einfluss.</p>
<p>Nun erstaunt es sehr, was man <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/campus/881276/">einem Artikel</a> auf der Seite des Deutschlandfunks entnehmen kann (Lustigerweise nimmt da auch gleich noch ein Soziologiestudent Stellung.)</p>
<blockquote><p>Es herrschen fast mafiöse Strukturen an Italiens Universitäten: Einige Familienclans geben in ganzen Fakultäten den Ton an, besetzen Stellen mit Angehörigen. Bisher geschah die Förderung von Karrieren nach Familienzugehörigkeit oder Freundschaft nahezu ungestört. Doch mittlerweile wurde das Schweigen gebrochen &#8211; und die Staatsanwaltschaft ermittelt.</p></blockquote>
<p>Sehr zu meiner Schande muss ich nun gestehen, dass ich meinen Italienischkurs aus Zeitgründen abbrechen musste, und absolut nichts davon verstehe, was da reichlich gebloggt wird. Einer der zündenden <a href="http://www.repubblica.it/2008/10/sezioni/cronaca/palermo-parentopoli/palermo-parentopoli/palermo-parentopoli.html">Artikel </a>scheint jedoch von der Repubblica herausgegeben worden zu sein.</p>
<p>Auch wenn das nun nicht direkt die Mafia ist, zumindest noch nicht ersichtlich, es zeigt, dass die Mechanismen, die echte demokratische Entwicklung und das Entstehen einer freiheitlichen und engagierten zivilbürgerlichen Kultur behindern, tief in die italienische Gesellschaft reichen. Schade. Für mehr zum Thema finden sich einige interessante Artikel dazu auf der oben verlinkten Exkursionsseite, mein eigener über die Antiracket-Bewegung in Catania ist dort leider noch nicht verfügbar, allerdings gibt es da noch andere Berichte, die Hoffnung machen für den Süden Europas.</p>
<p>Und noch eine Feststellung: Wissen ist Macht. Das sieht man meiner Meinung nach hier so klar wie selten. Es stellt sich in dem Zusammenhang also die Frage: Wurden die Posten nur danach vergeben, wer mit wem verwandt ist, oder bekommt man möglicherweise besser einen Posten im Bereich der Rechtswissenschaften, wenn man auch die entsprechenden Ideen zum Thema Korruption und Mafia vertritt? Möglich wäre es, mal sehen, wann die Begebenheiten auch in einer mir verständlichen Sprache vorliegen. <img src='http://s0.wp.com/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Buona notte, Stefan</p>
<h4>Nachtag:</h4>
<p>Einige interessante Ressourcen habe ich dann doch noch gefunden zum Thema:</p>
<ul>
<li>Ein kurzer Blogbeitrag in englischer Sprache zu den Studentenprotesten der letzten Zeit beim <a href="http://processalgebra.blogspot.com/">Process Algebra Diary</a>: <a href="http://processalgebra.blogspot.com/2008/11/italian-academics-on-strike-today.html"><em>Italian Academics on Strike today (14.11.08)</em></a></li>
<li>Generelle Informationen zur italienischen Bildungslandschaft in <a href="http://www.oecd.org/dataoecd/21/17/41278806.pdf">Education on a Glance &#8211; Education Briefing Note der OECD-Studie 2008 zu Italien</a>.</li>
<li>Eine kleine Übersicht über die Proteste in Italien und die Zusammenhänge mit der Gelmini-Reform in <a href="http://portland.indymedia.org/en/2008/10/381563.shtml"><em>What the f*ck is going on in Italy?</em></a> beim <a href="http://portland.indymedia.org/">Portland Independent Media Center</a></li>
<li>Und, last but not least, die Peripherie der ungehemmten Freie-Meinungs-Allergie unter Herrn Berlusconi in <a href="http://www.blogfromitaly.com/italys-politicians-try-to-ban-blogs-again/"><em>Italy&#8217;s politicians try to ban Italy&#8217;s bloggers</em></a> auf dem <a href="http://www.blogfromitaly.com/">Blog from Italy</a></li>
</ul>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/homosociologicus.wordpress.com/794/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/homosociologicus.wordpress.com/794/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/homosociologicus.wordpress.com/794/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/homosociologicus.wordpress.com/794/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/homosociologicus.wordpress.com/794/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/homosociologicus.wordpress.com/794/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/homosociologicus.wordpress.com/794/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/homosociologicus.wordpress.com/794/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/homosociologicus.wordpress.com/794/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/homosociologicus.wordpress.com/794/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/homosociologicus.wordpress.com/794/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/homosociologicus.wordpress.com/794/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/homosociologicus.wordpress.com/794/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/homosociologicus.wordpress.com/794/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=homosociologicus.de&amp;blog=2259473&amp;post=794&amp;subd=homosociologicus&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Shakespeare versus Bacon &#8211; Ein Enthüllungsvideo der Wissenschaftlergruppe &#8220;Whitest Kids U Know&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Apr 2008 17:31:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Spiess</dc:creator>
				<category><![CDATA[soziologischer Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Video]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenssoziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Francis Bacon]]></category>
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		<category><![CDATA[Urheberschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Whitest Kids U Know]]></category>
		<category><![CDATA[William Shakepeare]]></category>
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		<description><![CDATA[Francis Bacon ist zugleich Vordenker und Rätsel der Wissenssoziologie. War er der Urheber von Shakespeares Werken? War er ein Kopist seines sehr viel früher lebenden Namensvetters Roger Bacon (Francis&#8217; Idola sind nahezu deckungsgleich mit Roger&#8217;s offendicula)? Martin hat heute seine Reihe über Wissenssoziologie eingeleutet, ein guter Zeitpunkt, einen der Vorreiter mal etwas genauer unter die [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=homosociologicus.de&amp;blog=2259473&amp;post=102&amp;subd=homosociologicus&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Francis_Bacon">Francis Bacon</a> ist zugleich Vordenker und Rätsel der Wissenssoziologie. War er der Urheber von Shakespeares Werken? War er ein Kopist seines sehr viel früher lebenden Namensvetters <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Roger_Bacon">Roger Bacon</a> (Francis&#8217; Idola sind nahezu deckungsgleich mit Roger&#8217;s offendicula)? Martin hat heute seine Reihe über Wissenssoziologie eingeleutet, ein guter Zeitpunkt, einen der Vorreiter mal etwas genauer unter die analytische Lupe zu nehmen. Zunächst einmal allerdings (während ich meine Materialien zu Sir Francis Bacon, Lord Keeper of the Seal und späterer Lord Chancellor seiner Majestät zusammenkrame&#8230;) ein erstaunlicher Film, der bereits einige hinweise zur Lösung der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/William-Shakespeare-Urheberschaft">Shakespeare/Bacon-Frage</a> geben könnte&#8230;</p>
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